Stiftungsprofessur für Klimarecht und Gesellschaft besetzt

Die Universitätsleitung hat Dr. Laura Mai zur Stiftungsprofessorin für Klimarecht und Gesellschaft berufen. Die Stiftungsprofessur wurde 2025 mit der Unterstützung der Bloom Foundation errichtet und soll dazu beitragen, rechtliche Innovationen zu fördern und neue Ansätze zur wirksamen Bekämpfung des Klimawandels zu entwickeln. Laura Mai tritt ihre Position am 1. August 2026 an.

Rechtssysteme strukturieren das Zusammenleben und die Abläufe in der Gesellschaft sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene. Das Klimarecht spielt dabei eine immer wichtigere Rolle. Doch noch fehlt es an rechtswissenschaftlicher Expertise, um rechtliche Rahmenbedingungen für verlässliche und gerechte Lösungen im Umgang mit dem Klimawandel zu schaffen. Um diese Lücke zu schliessen, errichtete die Universität Bern gemeinsam mit der Bloom Foundation 2025 die Stiftungsprofessur «Klimarecht und Gesellschaft». Ziel der Professur ist, Kompetenz im Klimarecht aufzubauen – in der Schweiz sowie im internationalen Kontext. Das an der neuen Professur erarbeitete Wissen wird für die Gesetzgebung der kommenden Jahre relevant sein und als juristisches Knowhow für gerichtliche Verfahren dienen.

Im Rahmen eines kompetitiven internationalen Verfahrens hat eine Kommission der Universität Bern die Stiftungsprofessur nun mit Dr. Laura Mai besetzt. Mai promovierte 2022 am King’s College in London. Von 2022 bis 2025 forschte sie an der Tilburg University, Niederlande. Aktuell ist sie Senior Researcher am Amsterdam Centre for International Law an der Universität Amsterdam. Ausserhalb der Wissenschaft war Laura Mai in privaten Anwaltskanzleien in London, Brüssel und Hongkong sowie als Beraterin für das UN-Klimasekretariat in Bonn tätig.

«Klimarecht aus ganzheitlicher Perspektive betrachten»

Laura Mais Forschungsschwerpunkt liegt auf den gesellschaftlichen Voraussetzungen und den Wirkungen rechtlicher Vorgaben. «Mich interessiert nicht nur, welche neuen Klimagesetze beschlossen werden und was diese vorgeben. Wichtig ist auch, wie Recht in der Praxis entsteht und gehandhabt wird», sagt sie. «Daher reizt es mich enorm, an der Universität Bern einen Schwerpunkt in Forschung und Lehre aufzubauen, welcher das Klimarecht aus einer ganzheitlichen Perspektive betrachtet und welcher Rechts- und Sozialwissenschaften miteinander verbindet.»

Auf gesellschaftlicher Ebene soll das durch die Stiftungsprofessur erarbeitetes Wissen Anschluss an Diskussionen und Entscheidungsprozesse finden. «Dies kann unter anderem im Rahmen von Gesetzgebung oder auch in der Arbeit von Verbänden und NGOs geschehen. Es kann auch über Kooperationen im Bereich der Forschung oder über Beteiligung an Panels und Veranstaltungen gehen», erklärt Mai.

Die neue Professorin für Klimarecht und Gesellschaft tritt ihre Position am 1. August 2026 an. Von September bis Dezember 2026 wird sie im Rahmen eines Hauser Global Fellowship die School of Law der New York University besuchen. Im Anschluss daran wird sie ihre Tätigkeit an der Universität Bern aufnehmen: Mai wird unter anderem einen interdisziplinären Master-Studiengang an der Schnittstelle zwischen Klima-, Sozial- und Rechtswissenschaften aufbauen und sich am neuen nationalen Forschungsschwerpunkt NFS Clim+ beteiligen. Weiter leitet Mai das Projekt Legal Geographies of Climate Change. Darin erforscht sie, wo das Recht Ursachen und Auswirkungen des Klimawandels lokalisiert, und welche Fragen nach Verantwortung und Klimagerechtigkeit sich daraus ableiten lassen. «Das mag abstrakt klingen, ist für die Praxis aber zentral: Recht kann keine Verantwortung zuweisen und keinen Schaden ausgleichen, wenn nicht zunächst geklärt ist, wo genau Schaden und Verantwortung rechtlich anzusiedeln sind», sagt Mai. Das mehrjährige Projekt wird durch die niederländische Forschungsgemeinschaft NWO finanziert.

Praxisnaher Ansatz

Die neue Professur wird am Institut für öffentliches Recht der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Bern beheimatet und an das Oeschger-Zentrum für Klimaforschung (OCCR) angegliedert. Judith Wyttenbach, Vize-Dekanin der Rechtswissenschaftlichen Fakultät und Professorin am Institut für öffentliches Recht, zeigt sich hocherfreut über die Wahl Mais: Sie bringe herausragende fachliche Qualifikationen und ausgewiesene Expertise im Bereich des Klimarechts mit. Zudem habe sie ein ausgeprägtes Interesse für interdisziplinäre Forschung und Lehre. Das sei für die Thematik sehr wichtig: «Die Universität Bern bietet als Volluniversität beste Bedingungen für den interdisziplinären Austausch, und die interdisziplinäre Zusammenarbeit wird in Bern bewusst gefördert. Mit ihrer Forschung an der Schnittstelle von Recht und Gesellschaft wird Mai die vielfältige und innovative Klimaforschung an der Universität Bern in einem ausgesprochen wichtigen Bereich ergänzen.» Thomas Stocker, ehemaliger Präsident des Oeschger-Zentrums für Klimaforschung (OCCR) und eine treibende Kraft hinter der Klimarechtsprofessur, betont die neuen Herausforderungen, vor die der menschengemachte Klimawandel die Gesellschaft stellt. «Unser Zusammenleben basiert auf vereinbarten Rechtsgrundlagen, über die in einer Zeit solch schnellen Wandels vorausschauend nachgedacht werden muss und die entsprechend ausgebaut werden müssen», erläutert er. Das sei die zentrale Aufgabe der Professur für Klimarecht und Gesellschaft.

Die Bloom Foundation unterstützt den Aufbau der neuen Professur für die Dauer von zehn Jahren. Die 2024 gegründete Stiftung bezweckt die Förderung zukunftsträchtiger Ansätze für eine gesunde, artenreiche und regenerative Welt. «Die Weiterentwicklung des Klimarechts ist aus unserer Sicht ein zentraler Hebel, um den Klimaschutz voranzutreiben», erklärt Ines Najorka, Präsidentin der Bloom Foundation. Mai habe insbesondere durch ihr praxisnahes Verständnis des Klimarechts und dessen gesellschaftlicher Verankerung überzeugt, ebenso wie durch ihren differenzierten Blick darauf, wie Recht wirksam gestaltet und in komplexen Zusammenhängen eingesetzt werden kann. «Wir sind überzeugt, dass sie beste Voraussetzungen mitbringt, um dieses Thema gemeinsam mit relevanten Akteuren auf nationaler und internationaler Ebene weiterzuentwickeln – und wir freuen uns zugleich, als Stiftung wertvolle Impulse aus dieser Arbeit zu erhalten.»

Oeschger-Zentrum für Klimaforschung

Das Oeschger-Zentrum für Klimaforschung (OCCR) ist eines der strategischen Zentren der Universität Bern. Es bringt Forscherinnen und Forscher aus 14 Instituten und vier Fakultäten zusammen. Das OCCR forscht interdisziplinär an vorderster Front der Klimawissenschaften. Das Oeschger-Zentrum für Klimaforschung wurde 2007 gegründet und trägt den Namen von Hans Oeschger (1927-1998), einem Pionier der modernen Klimaforschung, der in Bern tätig war.

Weitere Informationen: oeschger.unibe.ch

Institut für öffentliches Recht

Das Institut für öffentliches Recht deckt in Lehre, Forschung und Dienstleistung den gesamten Bereich des öffentlichen Rechts ab. Zu seinen Schwerpunkten zählen die Grund- und Menschenrechte, das Staatsorganisationsrecht, das allgemeine und besondere Verwaltungsrecht, das öffentliche Prozessrecht sowie das Völkerrecht.

Weitere Informationen: oefre.unibe.ch

27.05.2026