Universität Bern und ETH Zürich leiten neuen Forschungsschwerpunkt

Dank der wegweisenden Klimaforschung an der Universität Bern übernimmt sie gemeinsam mit der ETH Zürich die Leitung eines neuen Nationalen Forschungsschwerpunktes. Dies hat das Eidgenössische Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) beschlossen. Der Forschungsschwerpunkt NCCR CLIM+ untersucht Klima- und Wetterextreme und entwickelt Strategien, wie sich die Schweiz wirksam daran anpassen kann. Forschende der Universität Bern sind zudem am NFS Genesis beteiligt, der den Ursprung von Leben und die Möglichkeit von Leben im Universum untersuchen wird.

Seit 2001 fördert der Schweizerische Nationalfonds (SNF) die sogenannten Nationalen Forschungsschwerpunkte (NFS). Diese langfristig angelegten Forschungsprojekte werden vom Bund bestimmt und befassen sich mit Themen von zentraler strategischer Relevanz für die Schweiz. Ein NFS vereint mehrere Forschungsgruppen, die in einem interdisziplinären, universitätsübergreifenden Netzwerk mit Partnerinnen und Partnern aus dem akademischen, öffentlichen und privaten Sektor zusammenarbeiten. Die NFS verfolgen das Ziel, die Schweizer Forschungslandschaft zu strukturieren und ihre internationale Vernetzung zu stärken. NFS werden jeweils von einer oder zwei Heiminstitutionen geleitet, die auch substanzielle Eigenmittel einbringen.

Bisher wurden insgesamt fünf Serien an Forschungsschwerpunkten gestartet. Nun hat das Eidgenössische Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) in einer sechsten Serie sechs neue Forschungsschwerpunkte bestimmt. Zu den ausgewählten und bewilligten Forschungsschwerpunkten gehört auch der NCCR CLIM+ (Climate Extremes and Society: Strengthening Resilience), der von der Universität Bern (Prof. Karin Ingold) und der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (Prof. Sonia I. Seneviratne) geleitet wird. Der Forschungsschwerpunkt erforscht Klima- und Wetterextreme und wie die Resilienz der Gesellschaft gestärkt werden kann. Weiter sind Forschende der Universität Bern am NFS Genesis beteiligt, der von der ETH Zürich (Prof. Didier Queloz) und der Universität Lausanne (Prof. Johanna Marin Carbonne) geleitet wird und der den Ursprung von Leben und die Möglichkeit von Leben im Universum untersuchen wird.

«Es freut uns sehr, dass sich der Bund für einen Forschungsschwerpunkt unter der Leitung der Universität Bern gemeinsam mit der ETH Zürich entschieden hat. Dies unterstreicht die jahrzehntelange Exzellenz der Universität Bern in der Klimaforschung, insbesondere in der Forschung zu den Folgen des Klimawandels», sagt Hugues Abriel, Vizerektor Forschung und Innovation der Universität Bern. «Dass wir auch am NFS Genesis massgeblich beteiligt sind, unterstreicht, dass die Universität Bern äusserst wichtige Beiträge zur Weltraumforschung leistet», so Abriel weiter.

Resilienz bei Klimaextremen stärken

Klima- und Wetterextreme sind eine Realität und betreffen auch die Schweiz immer häufiger. Heftige Niederschläge, Überflutungen, Waldbrände, anhaltende Hitzewellen, ausgeprägte Trockenphasen sowie das gleichzeitige Auftreten mehrerer solcher Phänomene haben in den letzten Jahren spürbar zugenommen. Betroffen sind dabei sowohl städtische Räume als auch ländliche Gebiete und Bergregionen, was gezielte und vorausschauende Anpassungsstrategien erforderlich macht. Hier setzt der neue NCCR CLIM+ an, der von den beiden Co-Direktorinnen Karin Ingold, Professorin für Policy Analysis and Environmental Governance (PEGO) am Institut für Politikwissenschaft der Universität Bern und Präsidentin des Oeschger-Zentrums für Klimaforschung (OCCR), und Sonia I. Seneviratne, Professorin am Institut für Atmosphäre und Klima der ETH Zürich und Vize-Präsidentin der Arbeitsgruppe I des Weltklimarats/IPCC, geleitet wird.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Natur- und Sozialwissenschaften werden im Rahmen des NCCR CLIM+ inter- und transdisziplinär zusammenarbeiten. Die Lösungen entstehen gemeinsam mit Behörden, der Gesellschaft und der Industrie, damit sie in der Praxis anwendbar sind. «Mit dem NCCR CLIM+ möchten wir die Schweizer Bevölkerung in eine widerstandsfähige und sichere Zukunft begleiten und zugleich die Rolle der Schweiz als international führendes Land im Verständnis von Klima- und Wetterextremen und in der Entwicklung passender Lösungen stärken», sagt Karin Ingold. «Da Klimaerwärmung und Wetterereignisse in Zukunft noch extremer werden, reicht es nicht, den Klimawandel allein physikalisch zu verstehen. Wir müssen begreifen, wie das Klima die Gesellschaft und unser Zusammenleben verändert», ergänzt Sonia Seneviratne.

Der NCCR CLIM+ wird in der ersten Betriebsphase von 2026 bis 2029 vom Bund mit 16,88 Millionen Franken unterstützt. Inklusive der Eigenmittel der Hochschulen belaufen sich die Gesamtbudgets auf 32,55 Millionen Franken.

Zentrum zu Klimaforschung und Gesellschaft

Ein wichtiges langfristiges Ziel des NCCR CLIM+ ist der Aufbau des Center for Climate Extremes and Resilience in Swiss Society (CERESS). CERESS wird mit Universitäten und Forschungsgruppen aus Klima-, Politik- und Gesellschaftswissenschaften in der ganzen Schweiz zusammenarbeiten. «Das Zentrum soll landesweite Forschungsprojekte unterstützen, ‘Living Labs’ mitgestalten, umsetzbare Lösungen entwickeln und so eine Verbindung zwischen Wissenschaft, Gesellschaft, Praxis und Politik schaffen. Zudem wird CERESS den Zugang zu nationalen und internationalen Klimadaten grundlegend verbessern», erklärt Ingold. «Es sollen reale Alltagsfragen behandelt werden wie: Was bedeutet extreme Hitze für den Bau und die Kühlung von Spitälern? Wie sehr gefährden extreme Temperaturen die Lieferketten auf Schiene und Strasse?»

Die Spuren des Ursprungs des Lebens entdecken

Forschende der Universität Bern sind zudem am NFS Genesis beteiligt, der von der ETH Zürich und der Universität Lausanne geleitet wird. Der Forschungsschwerpunkt soll Antworten auf tiefgreifende wissenschaftliche Fragen der Menschheit wie etwa «wie ist das Leben auf der Erde entstanden» oder «ist das Universum voll von Leben» beantworten. «Dank neuer Entdeckungen von Exoplaneten sowie Fortschritten in Biochemie und Geowissenschaften bietet sich jetzt die Chance, diese grundlegenden Fragen mit neuen Methoden anzugehen», erklärt Brice-Olivier Demory, Professor für Astrophysik, Direktor des Center for Space and Habitability und Professor am ARTORG Center for Biomedical Engineering Research an der Universität Bern. «Auf der Grundlage bestehender multidisziplinärer Zentren wie dem Center for Space and Habitability (CSH) der Universität Bern ermöglicht der NFS Genesis eine neuartige, enge Zusammenarbeit Schweizer Forschungsinstitutionen über Fachgrenzen hinweg», so Demory abschliessend.

Weitere Informationen zum NCCR CLIM+: https://www.nccr-climplus.ch/

30.01.2026