Feministisches Wissen zwischen Erinnerung und Zukunft

Am Tag des Feministischen Streiks, am 14. Juni 2026, lädt das Interdisziplinäre Zentrum für Geschlechterforschung (IZFG) der Universität Bern zur Vernissage eines neuen digitalen Archivs mit dem Titel «The Many Futures of Gender: Oral Histories of Feminist Theory» ein. Das Archiv dokumentiert Gespräche mit international bedeutsamen feministischen Forschenden. Die Veranstaltung beinhaltet eine Podiumsdiskussion und ist Teil des Jubiläumsprogramms zum 25-jährigen Bestehen des IZFG.

Was bedeutet es, feministisches Denken von früheren Generationen zu übernehmen? Wie bewegen sich feministische Ideen durch Zeit, politische Kämpfe, Institutionen und gelebte Erfahrungen? Das Projekt «The Many Futures of Gender: Oral Histories of Feminist Theory» widmet sich diesen Fragen anhand von Gesprächen mit international einflussreichen Forschenden, deren Arbeit die feministische Theorie und die Gender Studies nachhaltig geprägt hat, und die auf der Webseite https://www.oralhistoriesoffeministtheory.com/ publiziert werden.

Im Rahmen des Projekts werden zentrale Ideen der feministischen Theorie diskutiert und die persönlichen, politischen und historischen Bedingungen sichtbar gemacht, unter denen sie entstanden sind. Denn, so Prof. Dr. Patricia Purtschert, Initiantin des Oral History-Projekts und Co-Leiterin des IZFG: «Das digitale Archiv erzählt die Geschichten hinter den Büchern, die wir lesen, wenn wir uns mit Gender Studies beschäftigen. Was waren die Entstehungsbedingungen dieser Texte, mit welchen Themen haben die Forschenden damals gerungen, mit wem haben sie sich gestritten und mit wem gemeinsam nachgedacht?». Die Vernissage des Oral History-Projekts am 14. Juni im Stadttheater Bern ist zugleich Teil der Jubiläumsserie zum 25-jährigen Bestehen des IZFG und wird vom IZFG in Zusammenarbeit mit Bühnen Bern organisiert.

Vergangenheit und Zukunft von feministischem Wissen

Durch den Fokus auf Erinnerung, Biografie und intellektuellen Austausch zeigt das Archiv, wie feministisches Wissen geschaffen, weitergegeben, verändert, vergessen und über Generationen hinweg wiederentdeckt wird. «Gerade in dieser politisch herausfordernden Zeit ermöglicht es der Blick in die reiche Vergangenheit feministischen Denkens, sich eine andere Zukunft vorstellen zu können», sagt Purtschert.

Das Archiv eröffnet auch Raum für das Nachdenken darüber, wie Wissen weitergegeben wird. IZFG-Wissenschaftlerin Dr. Anukriti Dixit, die am Projekt mitarbeitet, meint dazu: «Das Oral-History-Archiv zeigt, dass feministische Theorie nicht nur etwas ist, das wir lesen, sondern etwas, das Menschen aushandeln und über Generationen hinweg weitergeben.»

Unterschiedliche Generationen und Perspektiven auf dem Podium

Nach einer Einführung in das Oral-History-Archiv durch Patricia Purtschert und Anukriti Dixit wird in einem Podiumsgespräch der Frage nachgegangen, wie feministisches Wissen weitergegeben, verloren, wiedergefunden und verwandelt wird. Im Zentrum stehen Fragen von Erinnerung, intellektuellem Erbe und dem Verhältnis zwischen Theorie, Politik und gelebter Erfahrung.

Die Personen auf dem Podium repräsentieren unterschiedliche Generationen und Perspektiven innerhalb feministischer Debatten:

  • Dr. Serena O. Dankwa, Sozialanthropologin, lehrt und forscht zurzeit am Institut für Sozialanthropologie der Universität Basel. 
  • Dr. Anukriti Dixit ist Postdoktorandin und Dozentin am IZFG.
  • Seraina Eisele ist Studentin und Co-Präsidentin von Society for Women* in Philosophy Switzerland SW*IP CH. 
  • Dr. Jonah I. Garde hat an der Universität Bern in Gender Studies promoviert und ist derzeit Banting Postdoctoral Fellow am Department for Central, Eastern, and Northern European Studies der University of British Columbia in Vancouver. 
  • Anja Nunyola Glover ist Soziologin, Autorin und Podcasterin. Sie bewegt sich an der Schnittstelle von Wissenschaft, Aktivismus und Öffentlichkeit.
  • Prof. Dr. Patricia Purtschert ist Philosophin, Kulturwissenschaftlerin, Professorin für Geschlechterforschung und Co-Leiterin des IZFG.
  • Dr. Franziska Schutzbach ist Autorin, Geschlechterforscherin, Soziologin und Dozentin.

Mehr Informationen zu den Podiumsteilnehmenden: https://buehnenbern.ch/spielplan/programm/the-many-futures-of-gender/

Medienschaffende sind herzlich zu der Veranstaltung eingeladen.

Datum 14. Juni 2026 von 11:00-13:00 Uhr
Ort Stadttheater Bern, Kornhausplatz 20, 3011 Bern, Foyer
Sprache Die Veranstaltung wird in deutscher Sprache durchgeführt, mit einem kurzen Input auf Englisch.
Eintritt und Anmeldung Die Veranstaltung ist öffentlich und der Eintritt ist frei. Anmeldungen sind nötig (beschränkte Platzzahl): https://buehnenbern.ch/spielplan/programm/the-many-futures-of-gender/

Medienschaffende sind gebeten, sich bis am 10. Juni unter medien@unibe.ch anzumelden (gerne mit der Angabe, ob und mit wem im Anschluss ein Interview gewünscht ist).

25 Jahre IZFG an der Universität Bern

Das Interdisziplinäre Zentrum für Geschlechterforschung (IZFG) wurde 2001 gegründet und ist in Forschung, Lehre und im Wissensdialog tätig. Es setzt sich inhaltlich, methodisch und theoretisch mit Geschlecht und Geschlechterfragen auseinander. Das IZFG wird von zwei Professorinnen geleitet, die an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät sowie an der Philosophisch-historischen Fakultät angesiedelt sind. Zurzeit arbeiten über 40 Personen aus unterschiedlichen Disziplinen am IZFG. Das IZFG feiert sein 25-jähriges Bestehen mit einem vielfältigen, öffentlichen Programm, zu dem auch die Vernissage gehört. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen, an den (kostenlosen) Veranstaltungen teilzunehmen. Zum Programm: https://www.izfg.unibe.ch/ueber_uns/geschichte_izfg/izfg_jubilaeum_2026/index_ger.html

04.06.2026