CHEOPS-Weltraummission verlängert
Angesichts der bemerkenswerten Erfolge des Weltraumteleskops CHEOPS hat die Europäische Weltraumorganisation (ESA) die erneute Verlängerung der CHEOPS-Mission beschlossen. Das Weltraumteleskop, das an der Universität Bern gebaut wurde und dessen wissenschaftliches Operationszentrum sich an der Universität Genf befindet, wird nun bis Ende 2029 weiter betrieben. Diese Entscheidung unterstreicht die herausragende Leistung und den wissenschaftlichen Wert von CHEOPS in der Exoplanetenforschung.
CHEOPS ist eine gemeinsame Mission der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) und der Schweiz, unter der Leitung der Universität Bern in Zusammenarbeit mit der Universität Genf. Ein Konsortium mit mehr als hundert Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, Ingenieurinnen und Ingenieuren aus elf europäischen Nationen unter der Leitung der Universität Bern und der ESA war während fünf Jahren am Bau des Satelliten beteiligt. Das wissenschaftliche Operationszentrum von CHEOPS befindet sich am Departement für Astronomie der Universität Genf. Seit seinem Start vom europäischen Weltraumbahnhof in Französisch-Guayana am 18. Dezember 2019 hat CHEOPS die Eigenschaften von zahlreichen faszinierenden Planeten ausserhalb unseres Sonnensystems, von sogenannten Exoplaneten, erforscht. Nachdem die ESA die Mission bereits 2023 erstmals um drei Jahre verlängert hatte, hat ihr Science Programme Committee nun eine weitere Verlängerung bis Ende 2029 beschlossen.
Dr. Christopher Broeg, Hauptverantwortlicher der CHEOPS-Mission und Leiter des CHEOPS-Konsortiums vom Center for Space and Habitability (CSH) der Universität Bern, erklärt: «Die Präzision von CHEOPS hat alle Erwartungen übertroffen, und das Weltraumteleskop ist zu einer wichtigen Schlüsselkomponente im Arsenal der Exoplanetenforschung für Astronominnen und Astronomen in Europa und weltweit geworden. Es schlägt die Brücke zwischen den ersten Entdeckungsmissionen wie Kepler und TESS hin zu Missionen der nächsten Generation wie PLATO, und Missionen zur Charakterisierung von Exoplanetenatmosphären wie JWST und zukünftig Ariel. Die erneute Verlängerung der Mission ist ein Beweis dafür und für den wissenschaftlichen Erfolg von CHEOPS.» Dr. Andrea Fortier, Mission Managerin von CHEOPS und ebenfalls vom CSH der Universität Bern, ergänzt: «Vor uns liegen noch dreieinhalb Jahre voller herausragender wissenschaftlicher Erkenntnisse und faszinierender Entdeckungen.»
Ein unordentliches Planetensystem und ein verformter Exoplanet
Prof. David Ehrenreich von der Universität Genf ist Leiter des internationalen Teams von über hundert Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die an der Auswertung der Mission beteiligt sind. Er sagt: «Wir sind hoch erfreut, über die wissenschaftlichen Erkenntnisse, die wir dank CHEOPS gewinnen konnten. So stellt beispielsweise die Entdeckung eines neuen Planeten um den Stern LHS 1903 durch CHEOPS die gängige Theorie, wie Planeten in einem System angeordnet sind, in Frage.»
Mithilfe von CHEOPS konnte auch zum ersten Mal die Verformung eines Exoplaneten nachgewiesen werden. Prof. Dr. Monika Lendl vom Departement für Astronomie der Universität Genf und Wissenschaftliche Verantwortliche der CHEOPS-Mission war Co-Autorin der Studie. Sie erklärt: «Obwohl der Planet WASP-103b bereits im Vorfeld mit dem NASA/ESA Hubble Weltraumteleskop beobachtet wurde, ermöglichten erst hochpräzise Messungen mit CHEOPS eine erstaunliche Entdeckung. Durch kleine Anomalien während des Vorbeizugs des Planeten vor seinem Mutterstern konnten wir feststellen, dass dieser durch starke Gezeitenkräfte regelrecht langgezogen wird. Seine Form erinnert eher an einen Rugbyball als an eine Kugel.»
In den kommenden Jahren soll CHEOPS diese Erfolge weiter ausbauen. «Mit der Verlängerung der Mission können wir langfristige Beobachtungsprogramme fortsetzen, neue Planetensysteme detailliert untersuchen und seltene Phänomene ins Visier nehmen, die nur mit langem Atem zu entdecken sind», sagt Broeg.
Synergien mit internationalen Weltraummissionen
Eine zentrale Rolle spielt dabei die enge Verzahnung mit anderen Weltraummissionen. CHEOPS arbeitet bereits heute komplementär zu Teleskopen wie dem James Webb Space Telescope (JWST): Während CHEOPS mit seinen präzisen Helligkeitsmessungen die Grösse und Bahn von Exoplaneten bestimmt und Aufschluss über deren Struktur gewährt, ermöglichen die Spektrografen von JWST einen Blick in ihre Atmosphären. «Dank CHEOPS können wir besonders spannende Ziele für JWST identifizieren und optimal vorbereiten – so holen wir aus beiden Missionen das Maximum heraus», erklärt Ehrenreich.
Die Verlängerung der Mission eröffnet zudem Raum für neue, innovative Beobachtungsmethoden. CHEOPS wird weiterhin seine Kernaufgaben erfüllen und gleichzeitig als Labor im All dienen, um neue Techniken zu erproben, etwa für die Suche nach Monden um Exoplaneten oder für die noch genauere Bestimmung der inneren Struktur von Exoplaneten. «So erhoffen wir uns ein viel umfassenderes Bild davon, wie Planetensysteme entstehen, sich entwickeln und wie vielfältig sie sein können», sagt Lendl.
Stärkung des Forschungs- und Innovationsstandorts Schweiz
Durch die effiziente Nutzung bestehender Ressourcen und die enge Zusammenarbeit zwischen Hochschulen, Industriepartnern und der ESA stärkt CHEOPS den Forschungs- und Technologiestandort Schweiz nachhaltig. «Hochpräzise Technologien, Softwareentwicklungen und Datenanalysemethoden, die im Rahmen von Weltraummissionen entstehen, fliessen in weitere Projekte ein – von zukünftigen Weltraumteleskopen bis hin zu Anwendungen ausserhalb der Raumfahrt, wodurch technologische Innovationen hervorgebracht und gleichzeitig internationale Partnerschaften in Wissenschaft und Industrie gestärkt werden», erklärt Fortier. «Die erneute Verlängerung von CHEOPS bis 2029 unterstreicht die führende Rolle der Schweiz in der Exoplanetenforschung. Die Mission bleibt damit ein wesentlicher Grundstein auf dem Weg von der reinen Entdeckung zur vertieften Untersuchung und Charakterisierung von Exoplaneten», so Broeg abschliessend.
CHEOPS – Auf der Suche nach potenziell lebensfreundlichen PlanetenDie CHEOPS-Mission (CHaracterising ExOPlanet Satellite) ist eine «S-class missions» der ESA – Missionen der kleinen Klasse mit einem Budget, das kleiner ist als das von grossen und mittleren Missionen, und mit einer kürzeren Zeitspanne von Projektbeginn bis zum Start. CHEOPS widmet sich der Charakterisierung von Exoplaneten-Transiten. Dabei misst CHEOPS die Helligkeitsänderungen eines Sterns, wenn ein Planet vor diesem Stern vorbeizieht. Aus diesem Messwert lässt sich die Grösse des Planeten ableiten und mit bereits vorhandenen Daten daraus die Dichte bestimmen. So erhält man wichtige Informationen über diese Planeten – zum Beispiel, ob sie überwiegend felsig sind, aus Gasen bestehen oder ob sich auf ihnen tiefe Ozeane befinden. Dies wiederum ist ein wichtiger Schritt, um zu bestimmen ob auf einem Planeten lebensfreundliche Bedingungen herrschen. CHEOPS wurde im Rahmen einer Partnerschaft zwischen der ESA und der Schweiz entwickelt. Unter der Leitung der Universität Bern und der ESA war ein Konsortium mit mehr als hundert Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, Ingenieurinnen und Ingenieuren aus elf europäischen Nationen während fünf Jahren am Bau des Satelliten beteiligt. CHEOPS hat am Mittwoch, 18. Dezember 2019 an Bord einer Sojus-Fregat-Rakete vom Europäischen Weltraumbahnhof Kourou, Französisch-Guyana, seine Reise ins Weltall angetreten. Seither umkreist CHEOPS die Erde innerhalb von ungefähr anderthalb Stunden in einer Höhe von 700 Kilometer entlang der Tag-Nacht-Grenze. Als Mitgliedstaat der Europäischen Weltraumorganisation ESA beteiligt sich die Schweiz am CHEOPS-Teleskop im Rahmen des ESA-Wissenschaftsprogramms und des PRODEX-Programms (PROgramme de Développement d'EXpériences scientifiques). Dieses Programm ermöglicht Schweizer Projektteams aus Forschung und Industrie sich mittels Beiträgen, die sie entwickeln und bauen, an Wissenschaftsmissionen zu beteiligen und finanziert diese. Dieser Wissens- und Technologietransfer zwischen Wissenschaft und Industrie verschafft dem Werkplatz Schweiz letztlich auch einen strukturellen Wettbewerbsvorteil – und er ermöglicht, dass Technologien, Verfahren und Produkte in andere Märkte einfliessen und so einen Mehrwert für unsere Wirtschaft erbringen. Mehr Informationen: https://cheops.unibe.ch/de/ |
Berner Weltraumforschung: Seit der ersten Mondlandung an der WeltspitzeAls am 21. Juli 1969 Buzz Aldrin als zweiter Mann aus der Mondlandefähre stieg, entrollte er als erstes das Berner Sonnenwindsegel und steckte es noch vor der amerikanischen Flagge in den Boden des Mondes. Dieses Solarwind Composition Experiment (SWC), welches von Prof. Dr. Johannes Geiss und seinem Team am Physikalischen Institut der Universität Bern geplant, gebaut und ausgewertet wurde, war ein erster grosser Höhepunkt in der Geschichte der Berner Weltraumforschung. Die Berner Weltraumforschung ist seit damals an der Weltspitze mit dabei: Die Universität Bern nimmt regelmässig an Weltraummissionen der grossen Weltraumorganisationen wie ESA, NASA oder JAXA teil. Mit CHEOPS teilt sich die Universität Bern die Verantwortung mit der ESA für eine ganze Mission. Zudem sind die Berner Forschenden an der Weltspitze mit dabei, wenn es etwa um Modelle und Simulationen zur Entstehung und Entwicklung von Planeten geht. Die erfolgreiche Arbeit der Abteilung Weltraumforschung und Planetologie (WP) des Physikalischen Instituts der Universität Bern wurde durch die Gründung eines universitären Kompetenzzentrums, dem Center for Space and Habitability (CSH), gestärkt. Der Schweizer Nationalfonds sprach der Universität Bern zudem den Nationalen Forschungsschwerpunkt (NFS) PlanetS zu, den sie von 2014 bis 2026 gemeinsam mit der Universität Genf leitete. Das neu gegründete Swiss Institute for Planetary Sciences» (SIPS) soll den NFS PlanetS ersetzen. Daran beteiligt sind wiederum die Universitäten Bern, Genf, Zürich und die ETH Zürich. |
Exoplanetenforschung in Genf: 30 Jahre Expertise mit Nobelpreis ausgezeichnetDer erste Exoplanet wurde 1995 von zwei Forschern der Universität Genf, Michel Mayor und Didier Queloz, entdeckt, die 2019 mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet wurden. Diese Entdeckung brachte das Departement für Astronomie der Universität Genf an die Spitze der Forschung in diesem Bereich, insbesondere mit dem Bau und der Installation des Spektrographen HARPS im Jahr 2003 am 3,6-Meter-Teleskop der ESO in La Silla. Über zwei Jahrzehnte hinweg war HARPS das weltweit leistungsfähigste Instrument zur Bestimmung der Masse von Exoplaneten. Im Jahr 2018 wurde es jedoch von ESPRESSO übertroffen, einem weiteren in Genf entwickelten Spektrographen, der am Very Large Telescope (VLT) in Paranal, Chile, installiert ist. Die Schweiz ist auch an weltraumgestützten Beobachtungen von Exoplaneten beteiligt, etwa mit der Mission CHEOPS. Diese beruht auf zwei nationalen Kompetenzbereichen: dem Know-how der Universität Bern in der Raumfahrt in Zusammenarbeit mit der Universität Genf sowie der bodengestützten Expertise der Universität Genf, unterstützt durch ihre Partnerinstitution in der Schweizer Hauptstadt. Diese beiden wissenschaftlichen und technischen Stärken bildeten auch die Grundlage für die Gründung des Nationalen Forschungsschwerpunkts (NFS) PlanetS, welchen die Universität Bern gemeinsam mit der Universität Genf von 2014 bis 2026 leitete. Das neu gegründete Swiss Institute for Planetary Sciences» (SIPS) soll den NFS PlanetS ersetzen. Daran beteiligt sind wiederum die Universitäten Bern, Genf, Zürich und die ETH Zürich. |
11.06.2026
