Wie artenarme Wiesen wieder bunter werden
Um die Biodiversität von Wiesen zu erhöhen, genügt eine wenig intensive Bewirtschaftung nicht immer. Die Wiesen müssen manchmal auch aktiv angesät werden. Im Rahmen eines Forschungsprojekts im Schweizer Mittelland testeten Forschende der Universität Bern verschiedene Methoden zur Wiederherstellung der Pflanzenvielfalt auf Wiesen und zeigen: Nach vier Jahren hatten alle angewandten Methoden zu einer wirksamen Wiederherstellung geführt, mit einer durchschnittlichen Zunahme der vorhandenen Pflanzenarten von 29 Prozent.
Die Biodiversität im Grasland ist in den letzten Jahrzehnten stark zurückgegangen. Um diesem Verlust entgegenzuwirken, wurden in der Schweizer Agrarpolitik die Biodiversitätsförderflächen (BFF) eingeführt, die mit finanziellen Beiträgen an die Landwirtinnen und Landwirte eine extensivere Bewirtschaftung von landwirtschaftlichen Flächen fördern. Auf Wiesen bedeutet dies unter anderem, auf Düngung zu verzichten und den ersten Schnitt des Grases zu verzögern – dies steht im Gegensatz zur sogenannten intensiven Bewirtschaftung, bei der es in erster Linie darum geht, einen maximalen Ertrag zu erzielen. Trotz der Massnahmen gelingt es häufig nicht, die Biodiversität von extensiv bewirtschafteten Wiesen im Schweizer Mittelland zu verbessern. Der Hauptgrund liegt in der Vergangenheit: Jahrzehntelange intensive Nutzung hat die im Boden vorhandene Samenbank stark reduziert. Ausserdem fehlen in der Umgebung oftmals alte, blütenreiche Naturwiesen, von denen aus die für diese Lebensräume typischen Pflanzen die Wiesen wieder besiedeln könnten.
Im Rahmen eines gross angelegten Projekts, das vom Schweizerischen Nationalfonds, dem Bundesamt für Landwirtschaft BLW und mehreren Schweizer Kantonen mitfinanziert wurde, haben Forschende des Instituts für Ökologie und Evolution der Universität Bern verschiedene Methoden zur aktiven Wiederherstellung von Wiesen untersucht. Unter der Leitung von Prof. Dr. Raphaël Arlettaz und Dr. Jean-Yves Humbert haben sie zwei Arten der Bodenbearbeitung mit drei Methoden der Nachsaat kombiniert. Ihre Forschung zeigt, dass die aktive Wiederherstellung von Wiesen im Schweizer Mittelland die Pflanzenvielfalt erheblich steigern kann. Mit gezielte Restaurierungsmethoden können Landwirtinnen und Landwirte nicht nur die Biodiversität fördern, sondern auch von höheren finanziellen Beiträgen profitieren. Die Ergebnisse wurden kürzlich in der Fachzeitschrift Agriculture, Ecosystems & Environment veröffentlicht.
Effektive Methoden zur Wiederherstellung von Grasland
Die Forschungsgruppe testete verschiedene Methoden, um die Pflanzenvielfalt auf Wiesen wiederherzustellen: Der Boden wurde entweder oberflächlich mit einer Kreiselegge geöffnet oder tiefer gepflügt. Die Wiederaussaat erfolgte entweder durch die Übertragung von Heu einer artenreichen Spenderwiese – bekannt als «Heublumenmethode», durch die Aussaat einer Samenmischung, die von einer Spenderwiese geerntet wurde, oder durch kulturvermehrtes Saatgut, das im Handel erhältlich ist. Die verschiedenen Wiederherstellungsmethoden wurden im Jahr 2019 auf 60 Wiesen in zwölf Regionen des Schweizer Mittellands angewendet. Im Vorjahr sowie zwei und vier Jahre später wurden Vegetationsaufnahmen durchgeführt, bei denen die vorhandenen Pflanzen und ihre Häufigkeit systematisch erfasst wurden. Anhand der Vegetationsaufnahmen konnten die Forschenden dann vergleichen, wie sich die Pflanzengemeinschaft im Laufe der Zeit verändert hat.
In vier Jahren 29 Prozent mehr Pflanzenarten
Die Ergebnisse zeigen, dass bereits nach zwei Jahren alle getesteten Methoden die Pflanzenvielfalt auf den Testwiesen, die zuvor relativ artenarm waren, erhöht haben. Nach vier Jahren hatte sich die Vielfalt auf einem höheren Niveau stabilisiert, mit durchschnittlich 29 Prozent mehr Arten als vor der Wiederherstellung. «Dank dieser Massnahmen erreichten 90 Prozent der wiederhergestellten Wiesen die Qualitätsstufe Q2 für Biodiversitätsförderflächen, während sie vor den Experimenten nur die niedrigere Qualitätsstufe Q1 aufwiesen. Dieses höhere Niveau an botanischer Vielfalt geht mit höheren finanziellen Beiträgen für die Landwirtinnen und Landwirte einher», erklärt Laura Forgione, Doktorandin am Institut für Ökologie und Evolution der Universität Bern. Die sogenannte Beta-Diversität, die die Unterschiede in der Artenzusammensetzung zwischen den Regionen widerspiegelt, war zudem etwas höher, wenn das Heu von einer Spenderwiese aus derselben Region stammte. «Das bedeutet, dass der lokale Charakter der wiederhergestellten Wiesen mit der Heublumenmethode besser erhalten bleibt», sagt Jean‑Yves Humbert.
Einfache und effektive Umsetzung
Die Studie zeigt, dass die Pflanzenvielfalt in den Wiesen im Mittelland mit verschiedenen, einfach anzuwendenden Methoden aktiv verbessert werden kann. «Auch wenn es kleine Unterschiede zwischen den Methoden gibt – beispielsweise ist das Pflügen etwas effektiver als das Eggen – haben alle getesteten Methoden dazu beigetragen, dass die Mehrheit der Wiesen die ökologische Qualitätsstufe Q2 erreicht hat», erklärt Forgione. «So können die Landwirtinnen und Landwirte, die für ihren Betrieb am besten geeignete Methode auswählen», so Humbert weiter. Die Studie schliesse damit eine wichtige Forschungslücke. «Die Forschung wurde über mehrere Jahre auf Parzellenebene mit einem strengen Versuchsdesign durchgeführt, bei dem die verschiedenen getesteten Methoden den Wiesen nach dem Zufallsprinzip zugeteilt wurden, während eine als Kontrolle fungierte. Es ist das erste Mal, dass eine solche Studie in so grossem Massstab durchgeführt wird», erklärt Raphaël Arlettaz. «Wir untersuchen nun auch, wie sich die Wiederherstellung der Pflanzenvielfalt auf diesen Wiesen auf verschiedene Gruppen von Wirbellosen auswirkt», sagt Forgione abschliessend.
Angaben zur Publikation:Forgione, L., Slodowicz, D., Bergauer, M., Dupont, R. A., Arlettaz R., Humbert, J.-Y. (2026). Restoring plant diversity in lowland grasslands: efficacy of different seed addition and soil preparation methods. Agriculture, Ecosystems & Environment. 405:e110369. |
Das Institut für Ökologie und EvolutionDas Institut für Ökologie und Evolution an der Universität Bern widmet sich der Forschung und Lehre in allen Aspekten von Ökologie und Evolution und versucht eine wissenschaftliche Basis für das Verständnis und die Erhaltung der lebenden Umwelt zu bieten. Es werden die Mechanismen untersucht, durch die Organismen auf ihre Umwelt reagieren und mit ihr interagieren, einschliesslich phänotypischer Reaktionen auf individueller Ebene, Veränderungen in Häufigkeiten von Genen und Allelen auf Populationsebene, wie auch Veränderungen in der Artenzusammensetzung von Gemeinschaften bis hin zur Funktionsweise von ganzen Ökosystemen. |
24.03.2026
