Kriminologie in einer diversen Gesellschaft

Die Universität Bern ist vom 3. bis 5. September 2026 der Treffpunkt der deutschsprachigen Kriminologie: Das Institut für Strafrecht und Kriminologie der Universität Bern richtet gemeinsam mit der Kriminologischen Gesellschaft (KrimG) deren 19. Wissenschaftliche Fachtagung aus. Unter dem Titel «Kriminologie in einer diversen Gesellschaft» diskutieren rund 250 Forschende und Fachpersonen aus dem In- und Ausland, wie Migration, Gender, psychische Gesundheit und soziale Ungleichheit die Kriminologie herausfordern.

Wie lässt sich Kriminalität angemessen erforschen, wenn die Gesellschaft vielfältiger wird? Diese Frage steht im Zentrum der 19. Wissenschaftlichen Fachtagung der Kriminologischen Gesellschaft (KrimG). Die KrimG ist die bedeutendste kriminologische Fachgesellschaft im deutschsprachigen Raum mit über 600 Mitgliedern. Ihre Fachtagung findet alle zwei Jahre statt und wird dieses Jahr an der Universität Bern durchgeführt.

Organisiert hat die Tagung Prof. Dr. Ineke Pruin, assoziierte Professorin am Institut für Strafrecht und Kriminologie der Universität Bern und dessen Co-Leiterin sowie Präsidentin der KrimG. Pruin sagt:

«Es freut uns sehr, dass die grösste kriminologische Fachgesellschaft des deutschsprachigen Raums dieses Jahr an der Universität Bern zu Gast ist. Unser Institut forscht seit Jahrzehnten empirisch zu Kriminalität, Strafrechtspflege und Justizvollzug, und diese Expertise bringen wir nun in eine Debatte ein, die weit über die Wissenschaft hinausreicht.» Der Austausch zwischen Wissenschaft, Praxis und Öffentlichkeit ist deshalb in mehreren Formaten fest im Programm verankert.

Internationale Referierende und über 90 Fachvorträge

Im Zentrum des dreitägigen Programms stehen vier Plenarvorträge international renommierter Forschender. «Wir arbeiten international, denn die vermeintlich einfache Frage ‘Wieso wird jemand kriminell?’ endet nicht an der Grenze – alle Länder der Welt stellen sich diese Frage», sagt Pruin. Zu Gast sein wird u.a. Prof. Dr. Vanessa Barker von der Universität Stockholm; sie untersucht, wie Staaten mit den Mitteln des Strafrechts Grenzen kontrollieren und darüber Zugehörigkeit definieren. Prof. Dr. Christine Morgenstern (Ruhr-Universität Bochum) nähert sich Kriminalität und Bestrafung aus feministischer Perspektive, und Prof. Dr. Tobias Singelnstein (Goethe-Universität Frankfurt) untersucht Kriminalisierung und Rassismus in der postmigrantischen Gesellschaft. Der forensische Psychiater Prof. Dr. med. Elmar Habermeyer von der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich fragt, ob psychische Störungen im Strafjustizsystem eher behandelt oder bestraft werden. Ergänzt wird das Programm durch über 90 Fachvorträge in parallelen Panels zu Themen wie Radikalisierung, häuslicher Gewalt, Polizei, Künstlicher Intelligenz oder die sogenannte «Restorative Justice» welche die Wiedergutmachung in den Mittelpunkt stellt.

Podium zur Rolle von Medien und Wissenschaft

Wie kriminologische Befunde in die Öffentlichkeit gelangen, ist selbst zum Forschungsgegenstand geworden. Zum Abschluss der Tagung diskutiert am Samstagvormittag das Podium «Wissenschaftskommunikation im polarisierten Diskurs am Beispiel von Migration und Kriminalität», wie Forschung, Medien und Politik in einem aufgeheizten Feld zusammenwirken und wo die Verantwortung für Differenzierung liegt.

Auf dem Podium diskutieren unter anderem Susan Boos, Präsidentin des Schweizer Presserats, die Kommunikationswissenschaftlerin Prof. Dr. Senja Post (KIT Karlsruhe), Prof. Dr. Dirk Baier (ZHAW und Universität Zürich). «Wir wollen den Konflikt nicht nachstellen, sondern untersuchen», sagt Pruin. «Deshalb sitzen auf dem Podium Menschen, die aus unterschiedlichen Rollen auf dieselbe Debatte blicken – aus der Forschung, aus der Medienselbstkontrolle, aus der Praxis.»

Medienschaffende sind herzlich zur Veranstaltung eingeladen:

Datum Donnerstag, 3. September bis Samstag, 5. September 2026
Ort Universität Bern, Hauptgebäude (Hochschulstrasse 4) und UniS-Gebäude (Schanzeneckstrasse 1), 3012 Bern
Sprache Deutsch
Eintritt und Anmeldung Für Medienschaffende ist die Teilnahme kostenlos. Wir bitten um Anmeldung bis 2. September 2026 per E-Mail an krimgtagung.krim.rw@unibe.ch

Das detaillierte Tagungsprogramm finden Sie hier.

Referierende stehen im Anschluss an ihre Vorträge sowie in den Pausen für Interviews zur Verfügung; Interviewanfragen können an folgende Adresse gerichtet werden: krimgtagung.krim.rw@unibe.ch.

Lesen Sie auch das Interview mit Ineke Pruin im Onlinemagazin uniAKTUELL

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Institut für Strafrecht und Kriminologie der Universität Bern

Das Institut für Strafrecht und Kriminologie beheimatet vier Abteilungen sowie eine Dozentur. Die Tätigkeitsschwerpunkte in Lehre und Forschung liegen unter anderem in den Bereichen Strafrecht, Strafprozessrecht, Kriminologie, Strafsanktionenrecht und Polizeirecht. Es wird grosser Wert auf interdisziplinäre Forschung gelegt. Unter den zirka 50 Mitarbeitenden finden sich Forscherinnen und Forscher aus der Rechtswissenschaft, Soziologie, Sozialanthropologie, Psychologie und Philosophie.
Weitere Informationen: https://www.krim.unibe.ch/  

26.08.2026