Konsum frauenfeindlicher Medieninhalte verstärkt negative Reaktionen gegenüber Frauen

Wenn Menschen frauenfeindliche mediale Inhalte konsumieren, führt dies zu mehr Feindseligkeit gegenüber Frauen. Dieser Zusammenhang ist wissenschaftlich breit abgestützt. Unklar war bislang, dass Männer und Frauen ähnlich negative Reaktionen zeigen. Ausser, die Medieninhalte beinhalten explizite Gewalt gegenüber Frauen: Dann zeigen insbesondere Männer – nicht aber Frauen – negative Reaktionen. Zu diesen Ergebnissen kommt eine umfassende internationale Studie unter Leitung der Universität Bern.

Die Darstellung von Frauen in stereotyper, herablassender oder gar erniedrigender Art findet sich immer wieder in verschiedenen Medienarten wie in Werbungen, Onlineforen oder Filmen – unter anderem in Musikvideos von misogynen Rappern, Werbung mit übersexualisierten Frauen oder Videospielen, die Frauen objektivifizieren. Eine repräsentative Umfrage der Europäischen Komission aus dem Jahr 2017 hat gezeigt, dass über die Hälfte der Befragten denken, es sei problematisch, wie Frauen in den verschiedenen Medien dargestellt werden.

In einer nun veröffentlichten Studie führte Dr. Christa Nater vom Institut für Psychologie an der Universität Bern mit einem internationalen Team eine Metaanalyse durch, also eine statistische Gesamtauswertung bereits veröffentlichter Studien, um den Zusammenhang zwischen frauenfeindlichen medialen Inhalten – über sehr unterschiedliche Medienformen hinweg – mit frauenfeindlichen Reaktionen systematisch zu untersuchen. Die Forschenden aus der Schweiz, Deutschland, Österreich und den USA sichteten systematisch wissenschaftliche Literatur aus rund 47 Jahren Forschung und schlossen 257 Studien mit insgesamt 132’933 Teilnehmenden ein.

Berücksichtigt wurden sowohl experimentelle Studien (z.B. kontrollierte Medienexposition im Labor) als auch nicht-experimentelle Studien wie Befragungen zum Medienkonsum. Aus allen Arbeiten wurden Effektstärken berechnet und mit modernen metaanalytischen Verfahren zusammengeführt, um den Zusammenhang zwischen der Exposition gegenüber frauenfeindlichen Medieninhalten und feindseligen Einstellungen oder Verhaltensweisen gegenüber Frauen zu bestimmen. Die Analyse umfasste ein breites Spektrum von Medien, darunter Filme, Fernsehen, Musik, Musikvideos, Videospiele, Bücher und andere Texte, Bilder, Werbung, Zeitschriften, Magazine, Pornografie sowie Inhalte aus sozialen Medien. Dadurch konnten die Forschenden zeigen, welche Art von misogynen Inhalten besonders problematisch ist. Die Ergebnisse der Metaanalyse wurden in der Fachzeitschrift Psychological Bulletin publiziert.

Besonders gravierende Folgen bei Männern und Jugendlichen

«Die Ergebnisse unserer Studie sind besonders aussagekräftig, da wir eine breite Palette an Reaktionen studieren konnten, von harmloseren stereotypen Einstellungen bis hin zu aggressivem Verhalten gegenüber Frauen», sagt Dr. Christa Nater, Erstautorin der Studie und Forscherin an der Universität Bern. Die Ergebnisse zeigen, dass gewalttätige Inhalte, die leicht als frauenfeindlich zu erkennen sind, insbesondere bei Männern zu mehr Feindseligkeit gegenüber Frauen führen – nicht aber bei Frauen. Der Konsum von demütigenden und pornografischen Inhalten hingegen führt sowohl bei Männern als auch bei Frauen zu mehr feindseligen Reaktionen gegenüber Frauen. Zudem haben junge Teilnehmende im Alter von 10 bis 18 Jahren nach dem Konsum besonders stark feindselig gegenüber Frauen reagiert – im Vergleich zu älteren Personen mit mehr Lebenserfahrung.

«Besonders problematisch ist, dass infolge des Konsums frauenfeindlicher Medieninhalte Probandinnen und Probanden häufig Frauen ihre Menschlichkeit absprechen, ihren Körper hauptsächlich als Objekt betrachten und sich aggressiv gegenüber Frauen verhalten», sagt Christa Nater. «Frauen werden sogar vermehrt als schuldig dafür angesehen, wenn sie Opfer einer Vergewaltigung waren.»

Starke Botschaft an Medienproduzierende

Die Letztautorin der Studie, Prof. Dr. Angela Dorrough von der FernUniversität Hagen, sagt: «Unsere Metaanalyse liefert robuste Belege dafür, dass der Konsum misogyner Medieninhalte zuverlässig mit einer erhöhten Feindseligkeit gegenüber Frauen verbunden ist.» Zudem sende die Studie eine starke und praxisrelevante Botschaft, wie Christa Nater betont: «Medienproduzierende können die Darstellung von Frauen in frauenfeindlicher, diskriminierender Weise reduzieren und dadurch Feindseligkeit und Gewalt gegenüber Frauen verringern sowie deren laufende Bemühungen um die Gleichstellung der Geschlechter unterstützen.»

Angaben zur Publikation:

Nater, C., Felber, L., Lücke, R., Eagly, A. H., Greitemeyer, T., Miller, D. I., & Dorrough, A. R. (in press). Exposure to misogynous media relates to greater hostility toward women: A meta-analysis of 257 studies. Psychological Bulletin. URL: https://doi.org/10.1037/bul0000513
DOI: https://doi.org/10.1037/bul0000513  

Über die Abteilung Soziale Neurowissenschaft und Sozialpsychologie

Die Abteilung Soziale Neurowissenschaft und Sozialpsychologie ist am Institut für Psychologie der Universität Bern angesiedelt. Sie beschäftigt sich mit dem menschlichen Verhalten und Erleben im sozialen Kontext. Die Abteilung bezieht in ihrer Forschung interdisziplinäre Perspektiven ein und integriert Paradigmen der Psychologie, Soziologie, Management, und Gesundheitswissenschaften. Der Forschungsansatz ist empirisch-quantitativ. Schwerpunkte sind: Intergruppenbeziehungen, Stereotype/Vorurteile, Kulturvergleichende Forschung, Soziale Neurowissenschaften.
Mehr Informationen

19.03.2026