After Restitution: Von der Rückgabe zur Zusammenarbeit
Am Dienstag, 26. Mai 2026 lädt das Historische Institut der Universität Bern in Kooperation mit dem Bernischen Historischen Museum (BHM) zu einer Podiumsdiskussion, die sich mit den Folgen der Restitution kolonialer Sammlungen beschäftigt. Die Veranstaltung stellt die Frage, wie Museen und Universitäten nach der Rückgabe von Kulturgütern weiterarbeiten und welche neuen Perspektiven sich für die Afrikaforschung ergeben. Dabei kommen internationale Expertinnen und Experten zu Wort.
Die Diskussion über die Rückgabe kolonialen Kulturguts aus Museen hat die Schweiz längst erreicht. 2026 bekommt sie neue Impulse aus Bern. Ein Kooperationsprojekt unter dem Titel After Restitution zwischen dem Historischen Institut der Universität Bern und dem BHM, unterstützt von der «Initiative Afrique» der Universität Bern, zielt darauf ab, den Dialog über die Rückgabe von Sammlungen zu fördern und so neue Forschungsperspektiven auf die Geschichte Afrikas zu eröffnen.
Derzeit laufen am BHM die Vorbereitungen für eine Ausstellung zur «Usakos Railway Workers‘ Collection», die von der Universität Bern begleitet wird. Das Ziel: die Aufarbeitung der ethnographischen Sammlung des Schweizer Ehepaars Victor und Marie Solioz. Diese entstand zwischen 1903 und 1905 während des Baus einer Eisenbahn im damaligen Deutsch-Südwestafrika (heute Namibia). Sie enthält Hunderte Haushaltsgegenstände, Waffen und Schmuckstücke, die später in den Besitz des BHM übergingen. Nach der Ausstellung im Herbst 2026 wird die Sammlung nach Namibia zurückgegeben.
Das Historische Institut der Universität Bern und das BHM laden nun am Dienstag, 26. Mai im Vorfeld zu einer Podiumsdiskussion ein. Prof. Dr. Christof Dejung vom Historischen Institut der Universität Bern und Co-Organisator des Podiums sagt: «Wir wollen diskutieren und aufzeigen, wie solche Momente des Umbruchs genutzt werden können, um neu zu verhandeln, wie Forschung zu problematischen Sammlungen auf Augenhöhe gelingen kann – zwischen Universitäten und Museen, aber auch mit Akteuren in den Gesellschaften, aus denen die Gegenstände kommen. Es soll auch um die Fragen gehen, welche neuen Forschungsansätze sich ergeben, wenn Universitäten und Museen ihre Netzwerke bündeln, welche Chancen und Herausforderungen entstehen, wenn wir die Repatriierung von Sammlungen nicht als das Ende der Debatte verstehen, sondern als ihren Anfang – oder kurz: Was kommt after restitution?»
Restitution als fortlaufender Prozess
Seit Anfang 2026 bringt After Restitution Forschende und Studierende der Universität Bern mit Kuratorinnen und Kuratoren des BHM sowie internationalen Gästen in einem Forschungsseminar zusammen, das den oben genannten Fragen nachgeht. Unterstützt wird die Kooperation vom Walter Benjamin Kolleg der Universität Bern und der «Initiative Afrique», einer Plattform der Universität Bern, die die Kooperation zwischen Bern und afrikanischen Partneruniversitäten stärkt.
Dr. Djouroukoro Diallo, Leiter der «Initiative Afrique», hebt hervor, dass After Restitution den Weg für eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen der Universität Bern und afrikanischen Partnern ebnen soll. Dejung sieht in der Kooperation auch eine Chance für die Weiterentwicklung der Schweizer Geschichtswissenschaft: «Museen verfügen über Archive und Know-how, Studierende und Historikerinnen über passende Forschungsfragen. Neue Ansätze zu Fächern wie der Global- und Kolonialgeschichte finden sich quasi vor der eigenen Haustüre. Die Voraussetzung für eine solche Kooperation ist jedoch, dass Institutionen offen aufeinander zugehen.» Genau darauf zielen die Programmverantwortlichen von After Restitution, Philipp Horn, Doktorand am Historischen Institut, und Samuel Bachmann, Kurator am BHM, ab. «Restitution ist kein Akt, nach dem sich alle zurücklehnen können», meint Samuel Bachmann. «Es ist ein Prozess, und dieser ist auf Partizipation angewiesen. Nehmen wir diese Partizipation ernst, dann ist Restitution kein Verlust, sondern schafft neues Wissen.»
Restitution geht uns alle an
Am Dienstag, 26. Mai wird unter dem Leitmotiv «Restitution geht uns alle an» eine öffentliche Podiumsdiskussion stattfinden, die Akteure aus der Zivilgesellschaft, Kuratorinnen, Kuratoren und Forschende zusammenbringt. Der Roundtable wird die Frage stellen: Was passiert after restitution?
Die Moderation übernimmt Henri-Michel Yéré, Mitglied der Kommission für historisch belastetes Kulturerbe, die den Bundesrat zukünftig in Fragen der Restitution berät. Die Podiumsgäste sind internationale Expertinnen und Experten: Njabulo Chipangura, Assistant Professor of Anthropology an der Maynooth University; Michaela Oberhofer, Kuratorin am Museum Rietberg und Co-Leiterin der Benin-Initiative Schweiz, einem der grössten Provenienzforschungsprojekte der Schweiz; Amy Shakespeare von der University of Exeter und Mitgründerin von Roots of Return, einer Initiative, die Museen in der Umsetzung von Rückgabeprojekten unterstützt; und Ken Aïcha Sy, Kuratorin und Kulturaktivistin aus Dakar. Sie fordert seit einigen Jahren eine radikale Demokratisierung von Museen.
Medienschaffende sind herzlich zu der Veranstaltung eingeladen.
Details zur Veranstaltung:
|
Titel |
After Restitution. Museums as Archives for New African Histories |
|
Datum |
Dienstag, 26. Mai um 18:30 Uhr |
|
Ort |
Bernisches Historisches Museum, Helvetiaplatz 5, 3005 Bern |
|
Sprache |
Die Veranstaltung wird in englischer Sprache durchgeführt und mithilfe von KI |
|
Eintritt |
Die Veranstaltung ist öffentlich. Freier Eintritt für Personen mit UniCard sowie |
Historisches InstitutDas Historische Institut der Universität Bern forscht und lehrt Geschichtswissenschaft in ihrer thematischen Breite und methodischen Vielfalt. Es umfasst Forschungsbereiche von der Antike bis zur Gegenwart sowie europäische und aussereuropäische Geschichte. Besondere Schwerpunkte liegen auf der Geschichte Lateinamerikas, Osteuropas sowie der Umwelt- und Klimageschichte. Als einziges Institut der Deutschschweiz verfügt es über eine eigenständige Dozentur für Migrationsgeschichte. |
19.05.2026
