Die Pflanzen der «Grünsten Gasse der Schweiz» werden an die Anwohnenden übergeben
Das Postgassenprojekt «Grünste Gasse der Schweiz» des Instituts für Pflanzenwissenschaften der Universität Bern hat im dritten Projektjahr grossen Erfolg. Die neuesten Ergebnisse zeigen, dass die Postgasse nun mit deutlichem Abstand die höchste Biodiversitätsrate in der Berner Altstadt aufweist. Zudem ist sie neu die Gasse mit dem grössten Anteil an Grünfläche im Verhältnis zur Gassenfläche. Nun wird das Projekt abgeschlossen; die grünste Gasse wird künftig durch ihre Anwohnerinnen und Anwohner gepflegt.
Biodiversitätsverlust und Hitzeinseleffekte sind grosse Herausforderungen für städtische Gebiete. Um diesen aktiv entgegenzuwirken, lancierte das Institut für Pflanzenwissenschaften der Universität Bern 2023 das Projekt «Grünste Gasse der Schweiz» in der Postgasse der Berner Altstadt. Knapp drei Jahre lang lief das partizipative Projekt. Das Projekt verfolgte das Ziel, die Postgasse gemeinsam mit den Anwohnenden zu begrünen, um die Biodiversität zu fördern und das Mikroklima zu verbessern sowie die Bevölkerung für diese Themen zu sensibilisieren und die Lebensqualität der Anwohnenden zu steigern.
Seit Beginn des Projekts erfolgte die Begrünung jedes Jahr an Pflanztagen, bei denen interessierte Anwohnende gemeinsam mit der Projektleitung die Gasse bepflanzten. Erde, Pflanzen, Töpfe und automatische Bewässerungssysteme wurden von Partnern bereitgestellt (siehe Infobox). Die Durchführung des diesjährigen Pflanztages wurde durch die finanzielle Unterstützung der Burgergemeinde Bern ermöglicht.
Postgasse ist grünste Gasse der Berner Altstadt
Die diesjährigen Messungen in der Postgasse zeigen deutlich, dass die Begrünungsaktionen der letzten drei Jahre Wirkung erzielt haben. Die Postgasse weist mit 1,01 Arten pro Meter und einem Zuwachs von knapp 11% im Vergleich zum Vorjahr die höchste Pflanzenvielfalt im Vergleich zu den anderen Gassen und Strassen der Berner Altstadt auf. Im Vergleich dazu: Die Brunngasse erreicht mit rund 0,67 Arten pro Meter einen Zuwachs von etwa 8%.
Weiter zeigen die Messungen, dass die Postgassenbegrünung 2025 den Anteil an Grünfläche relativ zur Gassenfläche fast verdoppelt hat (2024: 5,3%; 2025: 10,3%). Die Rathausgasse verzeichnete in diesem Jahr nur einen leichten Anstieg (2024: 7,3%; 2025: 7,7 %) und ist damit nicht mehr die Gasse mit dem höchsten Grünflächenanteil in der Berner Altstadt. «Damit wird die Postgasse ihrem Namen als ‹Grünste Gasse der Schweiz› zunehmend gerecht», sagt Adrian Metry, Projektleiter vom Institut für Pflanzenwissenschaften an der Universität Bern.
Begrünungsaktionen machen Gasse freudiger, beruhigender und erholsamer
Eine Befragung der Anwohnenden der Postgasse bestätigt auch in diesem Jahr, dass ein Grossteil der Befragten (über 90%) die Gasse deutlich grüner wahrnehmen als vor Beginn der Begrünungsaktionen. Die Massnahmen haben zudem Einfluss auf das soziale Leben in der Postgasse: Fast die Hälfte der Befragten (40%) geben an, dass sich durch die gemeinsame Pflege der Pflanzen und das Verweilen im begrünten Strassenraum neue Kontakte ergeben haben. Auf diese Weise trägt das Projekt auch zur Steigerung der Lebensqualität bei.
Dies widerspiegelt sich ebenfalls in den Umfrageergebnissen: Eine deutliche Mehrheit der Befragten (knapp 70%) berichten, dass sie die Postgasse heute als freudiger, beruhigender und erholsamer empfinden als in den Jahren vor den Begrünungsaktionen. Zudem sind mehr als die Hälfte der Befragten (60%) der Meinung, dass das Postgassenprojekt ihre positive Haltung gegenüber Begrünungsmassnahmen gestärkt und sie zu eigenen künftigen Pflanzaktionen motiviert hat.
Metry zeigt sich zufrieden mit diesen Ergebnissen: «Auch wenn das Postgassenprojekt nur eine einzige Person in ihrem Denken und Handeln zu projektbezogenen Themen inspiriert hätte, hätte sich das Projekt schon gelohnt».
Projekt wird Ende September abgeschlossen
Das Postgassenprojekt wird Ende September offiziell abgeschlossen. Im Rahmen des Abschlusses werden alle Pflanzen und Töpfe an die Anwohnenden übergeben. Damit soll die bestehende Begrünung langfristig erhalten bleiben. Die Pflanzen verbleiben in ihren Töpfen in der Postgasse und sollen die Gasse noch viele Jahre schmücken. Für ihre Pflege sind die Anwohnenden verantwortlich.
Prof. Dr. Matthias Erb, Professor für Biotische Interaktionen am Institut für Pflanzenwissenschaften der Universität Bern und Initiator des Projekts freut sich über diese Entwicklung. «Das Ziel des Projektes war es, die Stadt partizipativ mit ihren Anwohnerinnen und Anwohner zu begrünen. Dass die Anwohnenden der Postgasse nun die Begrünung langfristig übernehmen und das Projekt so zu einer nachhaltigen Veränderung führt, freut mich sehr», sagt Erb. «Wer die ‹Grünste Gasse der Schweiz› bislang nicht besucht hat, kann dies also auch in den kommenden Jahren noch nachholen. Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall», so Metry abschliessend.
Engagement der Grünen Branche als Zeichen für die wissenschaftlich begleitete NachhaltigkeitDie «Grünste Gasse der Schweiz» wurde von Unternehmen der Grünen Branche unterstützt, welche Pflanzen, Erde, Pflanzgefässe und Bewässerung zur Verfügung stellten. Unterstützung kommt von der Baumschule Gartenpflanzen Daepp, RICOTER und dem Spin-Off der Universität Bern Boum. |
Das Institut für PflanzenwissenschaftenDas Institut für Pflanzenwissenschaften an der Universität Bern widmet sich dem Verständnis der Funktionsweise, des Wachstums und der Entwicklung von Pflanzen. Die Grundlagenforschung am Institut umfasst viele Bereiche, von der Physiologie zur Ökologie, von Molekülen über Zellen bis hin zu ganzen Pflanzen und Vegetationen. Mehr Informationen: https://www.ips.unibe.ch/index_ger.html |
24.09.2025
